122. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin
09. - 12. April 2016, Mannheim
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122. Kongress der Deutschen
Gesellschaft für Innere Medizin

09. – 12. April 2016, Mannheim, Congress Center Rosengarten

Herzlich Willkommen!

Einladung des Vorsitzenden
der DGIM 2015/2016

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Prof. Dr. med.
G. Hasenfuß

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die 122. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin steht unter dem Leitthema „Demographischer Wandel fordert Innovation“. Die DGIM adressiert damit in ihrer nächsten Jahrestagung die Herausforderungen an die Innere Medizin, die mit dem demographischen Wandel der nächsten Jahrzehnte verbunden sein werden.

Der demographische Wandel in Deutschland ist im Wesentlichen auf die zunehmende Lebenserwartung zurückzuführen. Hierzu tragen die immensen Errungenschaften der Medizin, die wir alle täglich erleben dürfen, einen Hauptanteil bei. Gegenwärtig nimmt die Lebenserwartung pro Jahr um etwa 70 Tage zu. Im Jahr 2030, so das Statistische Bundesamt, wird bei Absinken der Gesamtbevölkerungszahl der Anteil der über 65-jährigen fast ein Drittel der Bevölkerung betragen. Aber schon jetzt sind 50% der Herzpatienten, die interventionell oder operativ behandelt werden, über 70 Jahre alt.

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Der demographische Wandel führt zu einer Zunahme von chronischen und degenerativen Erkrankungen, sowie zu einer Änderung der Krankheitsbilder und der Behandlungsverfahren. Die Medizin ist daher dringend aufgefordert, neue Wege zu gehen und Innovationen in die tägliche Praxis einzuführen. In der Inneren Medizin mit ihren Schwerpunkten ist dieser Prozess bereits in vollem Gange.
Lassen Sie mich Ihnen hierzu das Beispiel der Behandlung der Aortenklappenstenose des alten Menschen durch TAVI (Transkatheteraortenklappenimplantation) nennen. Aufgrund der höheren Lebenserwartung ist es zu einer deutlichen Zunahme der Aortenklappenstenose als chronisch degenerative Erkrankung gekommen (Prävalenz bei über 75-jährigen ca. 5%). Bei einer Ein-Jahres-Sterblichkeit von bis zu 50% bei symptomatischen Patienten unter konservativer Therapie und einer durch Alter und Komorbiditäten hohen Komplikationsrate und Sterblichkeit bei konventioneller Aortenklappenchirurgie, war es eine Herausforderung, innovative Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Dies erfolgte in Form von TAVI, deren Technik erstmals 2002 vorgestellt wurde. Heute liegt die Ein-Jahres-Sterblichkeit der mit TAVI behandelten Patienten unter 20% bei einem in aller Regel signifikanten Gewinn an Lebensqualität. Während die Zahlen für den operativen Aortenklappenersatz in den letzten 10 Jahren fast konstant geblieben sind, wurden im Jahr 2013 mit 10.426 TAVI-Prozeduren nahezu genauso viele katheterbasierte Eingriffe wie Aortenklappenoperationen in Deutschland durchgeführt. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung der Innovation „TAVI“ für die Behandlung dieses häufigen Krankheitskomplexes, der durch die höhere Lebenserwartung zum klinischen Alltag geworden ist. Allerdings wurde auch deutlich, dass der Mobilitätsgrad des Patienten (Frailty) für die Prognose nach dem Eingriff von wesentlicher Bedeutung ist. Damit ergibt sich die Frage, ob ältere Menschen für innovative/operative Eingriffe anders als bisher vorbereitet werden müssen (Reha vor Eingriff?) und wann der Eingriff aus prognostischen aber auch ethischen Gründen zu unterlassen ist.
Die Errungenschaften der Medizin bewirken auch, dass akute Krankheiten überlebt werden und daraus chronische Erkrankungen resultieren. Dies gilt für zahlreiche Tumorerkrankungen, die mit neuen onkologischen Behandlungsverfahren bei guter Lebensqualität lange unter Kontrolle gehalten werden können. In ähnlicher Weise wird die bessere Überlebensrate des Myokardinfarkts und anderer akuter Herzerkrankungen zu einer prognostizierten Herzinsuffizienz-Epidemie in den kommenden Jahrzehnten führen.
Innovationen wie am Beispiel TAVI dargestellt sind möglich durch die rasante technische Entwicklung, die einerseits in Form von Medizinprodukten Einzug in die Patientenversorgung genommen, und andererseits die molekulare Diagnostik und Medikamentenentwicklung revolutioniert hat. Beispielhaft sind die individualisierten Behandlungsmöglichkeiten von Tumorerkrankungen, basierend auf der Tumorgenetik und Epigenetik, die Erfolge der Biologika bei rheumatologischen Erkrankungen, die rasante Entwicklung bei Antidiabetika und schließlich die Möglichkeit, Hepatitis C heilen zu können. Die Sequenzierung eines gesamten Genoms ist heute bereits innerhalb weniger Tage zu einem Preis von unter 1000 Euro möglich, und kein Ende ist in Sicht. Die Analysemethoden einerseits und die Computertechnik und Bioinformatik andererseits werden zu neuen Klassifizierungen von Erkrankungen, für die wir bisher keinen klaren Zusammenhang gesehen haben, führen. Sie werden auch dazu führen, dass wir Komorbiditäten besser verstehen und behandeln können. Schließlich werden in Anbetracht der chronischen Erkrankungen regenerative Therapiemaßnahmen in Zukunft ihren festen Platz in der Therapie einnehmen.
Demographischer Wandel impliziert auch die Entwicklung von Strategien zur gezielten Nachwuchsförderung. Diese beinhaltet einerseits strukturierte Weiterbildungsprogramme und Freiräume für die Forschung und andererseits familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Das altersbedingte Ausscheiden von Internisten in den kommenden Jahren, eine veränderte Einstellung zur „Work-Life-Balance“ und ein Nachlassen des Interesses an der Tätigkeit in eigener Praxis sind weitere wichtige Themen, die von der DGIM adressiert werden.
Im Rahmen des demographischen Wandels müssen auch neue Wege der Interaktion zwischen Ärzten, Pflege- und Medizinassistenzberufen in Betracht gezogen werden. Themen wie Delegation und Substitution wollen wir offen diskutieren. Vor allem aber muss eine qualifizierte, hochwertige Pflege in der Breite der Versorgung sichergestellt werden.
Der demographische Wandel und der medizinische Fortschritt stellen die Hauptfaktoren für die Kostenentwicklung im Gesundheitssystem dar. Die viel zitierte Kostenexplosion ist bisher nicht eingetreten. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sind die nominalen Gesundheitsausgaben in Deutschland zwischen 1992 und 2011 von 9,6% auf 11,3% nur geringfügig angestiegen. Sie sind durchaus vergleichbar mit den Ausgaben unserer europäischen Nachbarn. Die meisten Prognosen sehen auch in Anbetracht des demographischen Wandels und der zu erwartenden Innovationen eine „Kostenexplosion“ nicht auf uns zukommen.
Ohne Zweifel müssen wir alle mit unseren Ressourcen verantwortungsvoll umgehen. Dies beinhaltet  ein hohes Qualitätsbewusstsein, eine vernünftige Qualitätskontrolle und kluge medizinische und politische Entscheidungen. „Klug entscheiden“ ist daher auch ein Leitthema des Kongresses 2016.
Während des ganzen Kongresses findet „topaktuelle Fortbildung“ durch das gesamte Thema der Inneren Medizin statt und zum ersten Mal bieten wir Ihnen ein „Wunschprogramm“ an, das wir auf der Basis einer Kongressteilnehmer-Umfrage von 2015 erstellen werden. Erstmalig wird die DGIM auch in verschiedenen Veranstaltungen „Live Cases“ demonstrieren und dadurch aktuelle Fortbildung spannend praxis- und patientennah ermöglichen.
Ich freue mich sehr, Sie in Mannheim in 2016 zum Internistenkongress begrüßen zu dürfen. Bitte gestatten Sie mir, dass ich im Folgenden noch etwas näher auf die Hauptthemen des Kongresses 2016 eingehe.

Mit besten Grüßen

Ihr
G. Hasenfuß